Anrede

Ich wurde gebeten, aus Anlass dieser Ausstellungseröffnung über die Bilder zu sprechen, die alle hier an diesen schönen weißen Wänden hängen. Das mache ich sehr gerne, aber ich möchte mich doch zuerst bei Ihnen, liebe Frau Basters, bei Ihnen, liebe Frau Spitznagel und bei Ihnen, sehr geehrter Herr Keller, dafür bedanken, dass Sie dem Christus-Kindergartens die Möglichkeit gegeben haben, diese Bilder unserer Kinder auszustellen. Wir freuen uns darüber sehr und sind auch ein wenig stolz.

Zuerst möchte ich zu Ihnen darüber sprechen, wie die Bilder entstanden sind, welche Bedeutung das Malen für unsere Kinder hat. Im Anschluss daran erzähle ich Ihnen ein wenig, wie die Kinder mit dem Thema >Baby und Kinder kriegen%lt; umgegangen sind.

Zuerst einmal: jedes Kind ist bei uns ein Künstler. Wir sind davon überzeugt, in jedem Kind eine gute Malerin oder einen guten Maler finden zu können, geben wir ihm nur einen richtigen Stift, ein gutes Papier und eine Geschichte, die das Kind interessiert und mit der es sich verbinden kann. Durch die Geschichte entwickelt das Kind ein inneres Bild, eine eigene Vorstellung, die es dann zu Papier bringt.

Wir Kindergärtnerinnen begleiten die Kinder beim Malen, wir geben ihnen dabei Impulse und natürlich auch immer wieder Anreize, die sie am Malen halten. Denn diese großen Bilder, die Sie hier sehen, brauchen viel Zeit, was von den Kindern viel Ausdauer und Durchhaltevermögen verlangt. Das Malen eines großen Bildes dauert mitunter mehrere Tage. Dabei benötigen die Kinder stetigen Zuspruch, Bestätigung und Lob. Neben dem intensiven Kontakt mit ihrer Kindergärtnerin bedarf es aber auch des Kontakts mit den anderen Kindern, denn oft sind diese großen Bilder Gruppenbilder. Die Kinder malen sie also zusammen, und dabei entsteht ein ganz normaler Gruppenprozess: Die Kinder nehmen verschiedene Rollen ein, Fragen wie ", wer darf was malen?", "wer malt wo?", "wer bestimmt?" tauchen auf. Es kann dabei Unstimmigkeiten und Streit geben. Wenn man die Bilder genau betrachtet, erzählen sie an manchen Stellen von diesen Unstimmigkeiten, zum Beispiel in einer eigenwilligen Farbgebung, im Übermalen von bereits Gemaltem oder in einer wundersamen Beinvermehrung. Aber das ist weiters nicht schlimm, weil die Kinder sich immer wieder einigen.

Ganz allgemein ist das Malen in unserem Kindergarten bedeutend und nimmt einen großen Raum ein. Durch das Malen erfahren die Kinder in der Zusammenarbeit mit anderen und mit ihrer Kindergärtnerin eine intensive Aufwertung der eigenen Persönlichkeit. Ihr Selbstwertgefühl wird gestärkt und ihre Ich-Findung unterstützt. Durch diesen Prozess werden auch ängstliche und zögerliche Kinder zu großen Malern. Die Ergebnisse, die schönen großen Bilder, die dann aufgehängt werden, machen die Kinder stolz. Die Kinder beginnen allmählich auch ganz explizit von sich selbst als Maler zu sprechen: "Ich bin ein großer Maler!". Und das sind sie ja auch, die Kinder sind die größten Maler!

Das Thema >Baby, Kinder kriegen<, das wir speziell für diese Ausstellung aufgenommen haben, ist im Kindergarten allgemein und ganz besonders im unsrigen immer wieder dran. Immer gibt es eine Familie, die gerade ein Baby erwartet. Unsere Kinder haben fast alle das Glück, in einer Familie mit mehreren Kindern aufzuwachsen. Also kennen viele Schwangerschaft, Geburt, Baby - einThema also, das alle Kinder betrifft. Und die Kinder wissen sehr viel zu diesem Thema. Beim Malen eines dieser Bilder fragte ich ein Kind, was der lila Kreis neben dem Baby bedeuten soll, und ich bekam zur Antwort: "Das ist natürlich der Mutterkuchen!". Die Kinder haben sehr gern ihre Mütter mit einem Baby im Bauch gemalt. Fast immer ist das Baby im Bauch das reale Geschwisterkind oder ein Geschwister, das man sich wünscht. Fast nie haben sich die Kinder selbst im Bauch der Mutter gemalt.. Die Mädchen haben sich oft auch selbst als werdende Mütter gemalt - so in dem Sinn: "Wenn ich groß bin, dann …!" Zwei Kinder haben eine Mutter mit einem Babybauch gemalt und jeweils ihren Müttern gezeigt und gesagt: "Das bist du!" Jedes Kind identifizierte sich mit dem Bild, an dessen Entstehung es beteiligt war, egal, ob allein oder in der Gruppe. Ja, es ist ein großes Thema für unsere Kinder, das Kinderkriegen, groß in seiner Bedeutung und groß in seinem Bildformat.

Nun aber, schauen Sie selbst und freuen Sie sich an unseren kleinen Künstlerinnen und Künstlern!

Herzlichen Dank!

Hilde Krauss-Hummel, am 4. Oktober 2007 im Diakoniekrankenhaus Freiburg.